37. Tag Tel Aviv und Pegasus

anrahm01.jpganrahm02.jpganrahm.jpgSonneeeeee!!!! Endlich! Ich habe ja schon fast nicht mehr daran geglaubt. Der Shvil fiel heute weiterhin den riesigen Baustellen zum Opfer. Also ging es fast nur an der Autobahn entlang, durch einen richtig verdreckten Fluss hindurch, immer in der Hoffnung, sich bloß nicht wieder zu verlaufen. Die Kilometer habe ich mehr oder weniger im Trance absolviert. Mit jedem Schritt verfestigte sich mein Entschluss, dass am Freitagmorgen, um 7:55 Uhr, mein Flieger von Tel Aviv, über Istanbul nach Berlin gehen wird. 52 Euro wollte die Fluglinie Pegasus dafür haben. Gut machbar. Kein schlechter Preis. Den buche ich, sobald ich am Mittelmeer angekommen bin. Aber mit jedem weiteren Schritt verzogen sich auch die dunklen Wolken am Regenhimmel und Tel Aviv rückte immer näher. Ich spürte den ersten kleinen Energieschub. Unfassbar, welch eine Kraft die ersten Sonnenstrahlen nach einer Zeit der Dunkelheit auf den menschlichen Körper haben kann. Meine Stimmung wurde immer besser. Endlich war es geschafft. Ich stand vor den Toren Tel Avivs. Noch bevor ich in mein Hostel fuhr, ging ich zum Strand und ließ das 17 Grad kalte Wasser über meinen völlig verdreckten Köper fließen. Es war einfach unfassbar, dieses Gefühl der Freiheit, was sich innerhalb von 10 Minuten endlich wieder bei mir einstellte. Sonne, Meer, Strand, all das ist nicht selbstverständlich für mich. Ich habe es mir schwer erarbeitet. Im Hostel, unter der Dusche, kam dann der allerletzte Dreck herunter. Wechselwäsche hatte ich keine mehr, also wurden schnell eine kurze Hose und ein t-shirt gekauft und ich marschierte mit der stinkenden Dreckwäsche in einen Waschsalon. Nach einer Stunde hatte ich wieder trockene und herrlich saubere Sachen im Beutel, für 36 Schekel. Da aber meine geliebte Wanderhose auch noch zerrissen war, suchte ich einen Schneider. Für 20 Schekel fand ich eine russisch- stämmige Schneiderin, in der Nähe des Rotschild Boulevards. Alles übrigens wertvolle Tipps meines Hostelvaters. Tja, und nun? Nun bin ich wieder ein Mensch und ich schaue gerade den Fliegern hinterher. Morgen wird mich der Pegasus wohl noch nicht mitnehmenden. Gute Nacht, allen Piloten und ihren Crews.

36. Tag Zweifel

Der Shvil war heute mindestens genauso genervt von mir, wie ich von ihm, denn ansonsten hätte er mich nicht endlos durch den Regen und in Industriegebiete geführt. Einige Bauwerke aus der Römerzeit unterwegs wirkten im Regen alles andere als geschichtsträchtig, eher langweilig. Mein Weg über 27 km führte mich nicht unbedingt durch abwechslungsreiches Gelände. Mein Unterbewußtsein rebellierte. Mir kamen große Zweifel, ob das, was ich seit Wochen hier treibe, eigentlich noch MEINE persönliche Herausforderung war oder sinnloses Herumgewandere. Da ist der Harz ja attraktiver, Mensch, sogar die Wiesen im Vorharz. Dazu kam der Frust, mangels Strom keine Fotos mehr machen zu können (deshalb seht ihr keine), die Akkus waren komplett aufgebraucht und meinen Shvil Track konnte ich auch vergessen. Zehn Tage fast nur Regen und Sturm haben den Solarzellen einfach keine Chance mehr gegeben, sich zu regenerieren. Bis jetzt jault mein innerer Schweinehund noch, zwar leise und doch hörbar. Heute habe ich ihn wieder besiegt. Morgen werde ich in TEL Aviv sein. Da ist der Flughafen…. Gute Nacht, allen Zweiflern an sich selbst. „36. Tag Zweifel“ weiterlesen

35. Tag Ablehnung

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Nervenprobe vor Tel Aviv. Es regnet und regnet. Immer wieder. Die Sonne lässt sich nur wenige Minuten blicken und reicht nicht, um die Akkus aufzuladen, weder die meiner Handys, noch meine eigenen. Als ich morgens munter wurde, war ich reglrecht am Verzweifeln. Die dicken Regentropfen prallten unüberhörbar von meinem Überzelt ab und wurden erneut zu Rinnsalen. Bitte nicht noch einen Tag auf einem verwaisten Campingplatz, inmitten von Müll, Gedenksteinen und dunklem Gestrüpp. Die einzige Abwechslung war abends und morgens das Heulen der Wölfe. Oh, ich liebe Wölfe und ich hatte auch keine Angst vor ihnen, aber ob sie mich auch liebten, das wusste ich nicht. Ihre Nähe zeigte mir, dass ich tatsächlich sehr fern der Zivilisation festsaß. Es wurde überhaupt nicht richtig hell und wärmer. Nur 8 Grad und durchdringende Nässe. Einfach keine gute Kombination. Zum Glück klärte sich der Himmel gegen Mittag auf. Sofort packte ich alles zusammen und machte mich auf den Weg nach Gimzo. Diesmal ohne Navi, denn der Strom sollte wenigstens für ein paar Fotos und diese Zeilen reichen. Leider hatte ich gleich nach einigen Kilometern Pech. Die Autobahnunterführung war eine unpassierbare Baustelle. Ohne Navi, ohne das Shvilzeichen, versuchte ich mich offtrail irgendwie zurück zum Trail zu schlagen. Nach 4 km gelang es mir, eine Unterführung zu finden, die mich zurück auf den richtigen Weg brachte. Doch die Freude hielt nicht lange an. Wegzeichen und roter Wegführer meinten eindeutig verschiedene Richtungen. Ich hielt mich intuitiv an Jakob Saar und lag natürlich…Hurra, falsch! So ein Mist. Der Weg führte mich direkt in eines nagelneues Gewerbegebiet. Verdammt, ich drehte mich im Kreis. Eine Anhöhe später kniff ich meine müden Augen zusammen.  Ganz weit hinten- endlich, TEL AVIV! Zwar noch viele Kilometer entfernt, aber allein der Anblick der hohen Häuser brachte mir neue Energie. Endlich in Gimzo angekommen, war mein Zelt schnell aufgebaut und alles für das Abendbrot vorbereitet. Plötzlich jedoch standen mehrere Männer vor meinem Zelt. Sie standen einfach da und starrten mich an. Mit Händen und Füßen versuchte ich, mich zu erklären. Als sie hörten, dass ich den Trail lief und in Eilat gestartet war, lud mich einer der jungen Israeli zu sich nach Hause, zum Abendbrot und zu einer Dusche ein. Lust hatte ich eigentlich keine, aber die Aussicht auf eine Dusche war letztendlich zu verlockend. Nach ca. 10 Minuten erreichten wir sein neu gebautes Haus, das hochmodern eingerichtet war. WOW, ich staunte nicht schlecht. Seine Frau und seine Tochter empfingen uns bereits am Hauseingang. Ihre Gesichter sprachen Bände und nach einer lautstarken Diskussion auf hebräisch war von einer Dusche und einem Essen plötzlich keine Rede mehr. Schließlich verschwand der Hausherr, um nach einer halben Minute mit einer Packung Kekse wieder an der Tür zu erscheinen, hielt sie mir vor die Nase, und verschwand. Ich schwöre, es haben nur noch der Tritt in meinen Hintern oder das Anspucken gefehlt. Noch nie habe ich mich so entsetzlich, eben wie ein aussetziger, geprügelter Hund gefühlt. Verstanden habe ich diese Aktion ÜBERHAUPT NICHT. Bis heute nicht und noch immer fühle ich mich in Gedanken an dieses Erlebnis tief gedemütigt. Ich bin ein offener und höflicher Mensch, aber DAS hat mich echt kalt erwischt. Peinlich berührt, doch mit einem herzlichen Dankeschön nahm ich die Kekse an und verkroch mich wieder in die Dunkelheit der Wildnis. Ein schreckliches Erlebnis, ernüchternd???? Klar, ich habe vielleicht gestunken und meine Klamotten waren sichtbar verdreckt, kein Wunder, bei 7 Tagen ohne eine Dusche, aber in all den vielen Jahren meiner Reisen nach Isreael und insbesondere auf dieser Wanderung habe ich mich niemals so abgelehnt gefühlt. Gute Nacht, der Scham und der Ablehnung. Ihr seid nicht willkommen!

34. Tag und nichts geht mehr

Gedenken an die gefallenen Soldaten
Gedenken an die gefallenen Soldaten
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Alles muß trocknen
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Im Nevev gab es dies nicht!!

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Alles steht unter Wasser. Nie im Leben hätte ich gedacht, dass mich Regen stoppen könnte. Ach, es war/ist ja auch kein Regen. Es sind große Eimer, gefüllt mit Wasser, die seit unzähligen Stunden auf mich niederstürzen. Nun könnte man denken: „Hy, dann kann er in seinem Zelt wenigstens schöne Geschichten für seine Leser aufschreiben!“ Vergesst es! Is nich! So, wie ich in der Wüste Wasser sparen musste, muss ich jetzt dringend Strom sparen. Mein Solarpanel liefert nicht einmal genug Strom, um die Ladeleuchte des Powerpacks aufleuchten zu lassen. Alle, nicht notwendigen Funktionen meines Smartphones habe ich ausgeschaltet. Dabei fing der Tag wirklich gut an. Nach einer durchregneten Nacht wurde ich vom warmen Sonnenschein geweckt. Also Sachen packen, Kaffee trinken und los. Ich will ja am Dienstag in Tel Aviv sein. Während in meinem Kocher noch die letzen Wasserperlen nach oben schossen, wurde es plötzlich wieder dunkel und nur Minuten später fielen auch schon die ersten Regentropfen in meinen Teekessel. Kein Problem, dachte ich, hast ja einen wasserdichten Überzieher für deinen Rucksack und SO dramatisch wird es sicherlich nicht werden. Doch falsch gedacht. Aus den Tropfen entwickelte sich langanhaltender sintflutartiger Regen, der mich rasend schnell komplett durchnässte. Ohne Wechselwäsche hockte ich mich wieder in mein erneut aufgebautes Zelt und wollte KURZ abwarten und nun? Richtig, nun hocke ich da noch immer und der Rest schwimmt um mich herum. Was habe ich dann den ganzen Tag gemacht? Gehofft, den Klamotten beim Abtropfen zugesehen, an die Heimat gedacht, die schmerzenden Knöchel massiert, gefroren, mich mit einem Stück Seife in den Regen gestellt und die Naturdusche ausgenutzt und eben ganz schnell diesen Blog verfasst. Morgen MUSS ich weiter. Irgendwie. Das Wetter für meinen derzeitigen Standort sieht noch immer mies aus. Mist! Gute Nacht, allen Wassersportlern, ICH bin aber ein Wanderer. Okay??!!

33. Tag IDF Tag

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Heute ist ein besonderer Tag in der Geschichte Israels, denn heute ist der nationale Tag des Kampfes des jüdischen Volkes gegen die, aus Syrien stämmigen, Aggressoren. Seit des Staatsgründungstages Israels wurde das Land immer wieder angegriffen. Trotz hoher Verluste konnte die IDF (isrealischer Verteidigungsarmee) zahllose Kämpfe siegreich bestehen. Gerade jetzt, im Zuge der fürchterlichen Terrorangriffe wird Israel weltweit als unverzichtbares und demokratisches Bollwerk zwischen dem IS und unserer Nation geschätzt und sogar beschworen. Die jüdische Armee hat das stolze Volk aus der Opferrolle herausgebracht und ist somit zum aktiven Gestalter seiner eigenen Sicherheit geworden. Ich bin den israel national trail bereits mit vielen Soldaten, Offizieren, Anwärtern und Ehemaligen gelaufen, habe ihren Erzählungen gelauscht und ihren Stolz gefühlt. Heute bin ich an einigen Soldatengräbern stehengeblieben (Fotos müssen mangels Strom nachgereicht werden) und hatte dabei, nicht weit von ihnen, Jahrhunderte alte Olivenbäume im Blick. Sie müssen SO viel sinnloses Leid gesehen haben und stehen noch immer tief verwurzelt in isrealischem Boden. Viel mehr möchte ich heute gar nicht schreiben. Es hat die meiste Zeit geregnet. Meine ISO-Matte hat den Geist aufgegeben, der Dreck an den Plätzen, auf denen ich mein Zelt aufschlagen kann, türmt sich regelrecht und stinkt erbärmlich, hm… ach ja, mir wurde vorhin gesagt, heute wären die Luchse besonders aktiv. Gute Nacht, den verlorenen Seelen aller Kriege auf der Erde.

32. Tag Es geht weiter

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Nach einer Nacht, in der ich psychisch an die Pforte der Hölle klopfte, war mir am frühen Morgen eigentlich nur eines klar, ich musste aus Jerusalem verschwinden. Die Stadt, die mich in jedem Urlaub bisher begeistert hat, tat mir einfach nicht gut. Das total verschmutzte Hostel sah im morgendlichen Regen noch trostloser aus als gestern im Sonnenschein. Mein Entschluss, nach Saphir zu fahren, um anschließend von Tzova aus wieder auf den Shvil zu gelangen, war schließlich schnell gefasst. Busse fuhren leider nicht. Auch Autos waren um diese frühe Uhrzeit oder wegen des Shabbats nicht auf der Strasse. Also musste ich ein völlig überteuertes Taxi nehmen, um wieder an den Ort zu gelangen, von dem aus ich am Donnerstag meine Reise nach Jerusalem startete. Eigentlich hatte ich dort vor, heute nur noch die wenigen Kilometer bis zum Kibbuz Tzova zu laufen, aber ich spürte es nach jedem Meter-das Laufen tat richtig gut. So stand für mich sofort fest, dass ich die 18 km bis zum Picknickplatz an der Autobahn nach Tel Aviv noch anhängen werde. Die Handy-Navigation usw. funktionierten ebenfalls wieder, denn mein Problem mit dem fehlenden Netz konnte ich nun endlich mit einer neuen Simkarte (die alte war abgelaufen) lösen. Morgen sollte aber bitte die Sonne mein Panel wieder versorgen. Unterwegs traf ich einen sehr lieben Israeli, Isaac, der mir mit Feuereifer eine  Quelle zeigte. Gemeinsam suchten wir auf der Blumenwiese frische Pfefferminze. Ich warf den Kocher an und atmete seit fast zwei Tagen das erste Mal wieder ruhig und tief durch. Es war einfach genial. Vorbei am Anne Frank Denkmal erreichte ich dann gegen 17 uhr den Picknickplatz. Schon von Weitem sah ich die große Baustelle an der Stelle, an der normalerweise der Shvil entlanggeht. Hm, egal, das Problem werde ich erst morgen, nach einem selbstgebrauten Kaffee am Lagerfeuer angegehen. Gute Nacht, den Hyänen im Wald hinter mir. Ich höre euch.

31. Tag Depressionen

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Um es vorweg zu nehmen, es geht mir nicht gut. Karfreitag in Jerusalem zu verbringen, ist  einfach genial. Ist etwas ganz besonderes und ich hatte mich eigentlich darauf gefreut. Doch es sollte anders kommen. Die Panik  und Depression überfielen mich völlig unvorbereitet mitten in der Nacht. Um fünf Uhr tat mir alles weh, sprechen, aufstehen, alles erforderte Kraft, über die ich nicht mehr verfügte. Gegen acht Uhr machte ich mich dann erschöpft in die Altstadt auf, ging zur Grabeskirche und an die Kottel. Überall Polizei, der ganze Leidensweg Jesu war mit Polizei überflutet. Die Grabeskirche war noch geschlossen, nur eine Meute von Journalisten, die ganz klar zweit stärkste Personengruppe, knipste oder filmte alles, was sich bewegte. Mein Zustand wurde immer schlimmer. Ich fühlte mich hier überhaupt nicht wohl und lief zur Klagemauer, der Kottel. Hier war etwas mehr Leben. Aber ich konnte es nicht fühlen. Nach mehren Telefonaten in die Heimat dachte an Abbruch und hätte fast für morgen einen Rückflug gebucht. Doch auch dazu fehlte mir bisher die Energie. Offensichtlich hat mich meine Krankheit, eine bipolare Störung, jetz in Jerusalem eingeholt. Wie ich hier in Israel damit umgehen werde, weiß ich noch nicht. Gute Nacht, Dunkelheit.

30. Tag Purim, der Karneval

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Jerusalem!!! Zu Purim morgen, wollte ich hier unbedingt pünktlich ankommen. Nun bin ich schon einen Tag vorher glücklich gelandet. In der Nacht bekam ich mal wieder nicht wirklich genügend Schlaf. Ganz alleine war ich auf einem Picknikplatz, keine IDF Soldadten, keine Studenten, keine Arbeiter, keine Krabbeltiere… Es hätte SO schön sein können. Aber diese himmlische Ruhe schien wohl auch einem Polizisten in seinem Streifenwagen nicht ganz geheuer, und prompt machte er es sich zu seiner Aufgabe, mich deutschen Shvilisten zu bewachen. Jede Stunde kam er angefahren, leuchtete den Platz mit Scheinwerfern aus und verschwand dann schließlich für exakt 60 Minuten wieder in der Dunkelheit der Nacht. Da nützten auch alle meine Beteuerungen nichts, dass alles Bestens sei. Um 4.00 Uhr stand ich völlig übernächtigt und entnervt auf und machte mich gegen 5.00 Uhr auf den Weg. Mein Tagesziel bestand heute darin, einfach so nah wie möglich an Jerusalem heranzukommen, um morgen per Anhalter den Purim und Karfreitag in der Altstadt zu erreichen (zur Erklärung: Jerusalem ist off Trail). Vorbei an antiken Stätten der Römer lief es für mich so gut, dass ich die gesamten 31 km schaffte. Mit dem Daumen nach oben brauchte war ich nicht lange am Straßenrand auf ein Auto, dass mich herzlich gerne mitnahm, zu warten. Keine halbe Stunde später stand ich mitten im Puls Jerusalems. Mein Hostel war schnell gefunden, bezogen und ab gings ins bunte Purim-Getümmel. Welch ein Spaß. Überall springen verkleidete Israeli in den engen Gassen der Stadt herum, lachen und umarmen mich. Diese Wucht an Leben war ich gar nicht mehr gewöhnt und ich befürchte, länger als einen Tag werde ich ihn nicht aushalten wollen. In einem kleinen Restaurant bestellte ich mir einen Humus-Teller. Am Nachbartisch saß eine Gruppe deutscher Touristen. Ich sprach sie an und erbat mir aktuelle Infos über die Anschläge von Brüssel. Sie lächelten nur und sprachen von „Pech“. Dabei wollten sie mir einen Salatteller spendieren, weil ich es ja wohl auch bitter nötig hätte. Ihre Reaktion hat mich erschreckt und entsetzt. „Nein, danke, ich brauchte von ihnen nichts. Keinen Salat, kein halb leergetrunkenes Bier und auch keinen zu viel bestellten Whisky. Ich bin zufrieden mit dem, was ich selbst habe oder von ehrlichen, authentischen und herzlichen israelischen Freunden geschenkt bekomme.“ Ein wenig war mir der Spaß vorhin vergangen. Aber ich bin mir sicher, ICH hatte nur Pech und bin eben leider dort an die Falschen geraten. Solche Ignoranten gibt es auf der ganzen Welt. So ist das Leben. Gute Nacht, allen mitfühlenden und das Unrecht bekämpfenden Menschen unseres Planeten.

28. Tag Viele verschiedene Shvil

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Von einem Shvil-Ableger wusste ich ja schon vor Beginn meiner Wanderung und von immer wieder neu erschlossenen Routen ebenfalls. Aber NOCH gilt als einzig ursprünglicher Israel National Trail der Orang-Blau-Weiße, der inoffiziellen „Shvil-Bibel“ festgehalten ist und DEN will ich schließlich laufen. Heute allerdings fand ich mich in einem Labyrinth aus mindestens sechs verschiedenen Shvil wieder. Dabei ging mein Tag richtig gemütlich gegen 7.30 Uhr los. Nach einem kräftigen Kaffee marschierte ich, bis zu einer großen Baustelle, die mitten auf dem Shvil ihr Lager aufgestellt hatte, zügig durch das Grün der Landschaft. An den Baucountainern kam ich nicht vorbei. Um nach einigen Kilometern querfeldein den Shvil wieder zu finden, konnte mir nur mein GPS helfen. 18 km lagen noch vor mir. Man glaubt es kaum, WIE viele gekennzeichnete Wege es in dieser Einöde gibt und alle haben eine orange-blau-weiße Markierung, mal verblasst, mal glänzend, mal verkehrt herum und mal mit einer Schrift überzeichnet. Obwohl ich mich verlief, (darüber verliere ich schon bald keine Worte mehr) schaffte ich die geplanten Kilometer noch bis zum frühen Nachmittag. Das war mir für den Feierabend noch zu früh. Also vorwärts, 6-8 Kilometer waren noch drin. Unterwegs gleich das Handy aufgeladen und… Und? Nichts und. Ich bemerkte, dass ich irgendwo mein Ladekabel verloren hatte. Planänderung. Hin zur nächsten Bushaltestelle. Mit dem Bus zur Tankstelle. Neues Kabel erstanden und das ganze Spiel Retour. Somit war der der Abend gerettet, denn ein Gruß in die Heimat konnte, wie fast jeden Tag, noch abgeschickt werden. Meine Füße bekommen jetzt nur noch ihre Spezialbehandlung und dann ziehe ich den Schlafsack über den Kopf. Gute Nacht, allen Wanderwegemarkierern auf der Welt.