27. Tag, alles grün

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Seitdem ich aus dem Negev verschwunden bin, läuft alles anders. Morgens geht es ohne Hektik statt um 5.00 Uhr erst gegen 9.00 Uhr los, natürlich nach reichlich Kaffee und einem kleinen Frühstück. Mein neuer Kocher hat seine Bewährungsprobe bestanden. Die 23 Kilometer liefen sich einfach nur so vor sich hin, sie wurden fast unwichtig, denn es ist, als wäre ich in einem Land, in dem Honig und Milch fließen. Endlich hatte ich auch Zeit, die ausgedehnten Pinien- und Eukalyptuswälder zu genießen. Alles, was hier wächst, wurde vom israelischen Nationalfond aufgeforstet. Wie tristlos das Land früher einmal war, zeigte ein Blick über den Grenzzaun in die Westbank, trostlose Steppe. Nach einem Umweg von 3 km bis zum nächsten Supermarkt, ihr wisst, Eis und Malzbier sind immer wichtig, erreichte ich inmitten der Pinien mein NC, sogar mit einem Wasserhahn, welch ein Luxus. Mein Kocher produzierte schnell Kuskus mit Tomatensauce und Thunfisch. Lecker! Und jetzt, alleine und hoffentlich ohne Wölfe, Wildschweine und Hyänen, hoffe ich auf eine ruhige Nacht-im Grünen.

26. Tag, Landschaftswechsel

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Seht euch DIESE Landschaft an. Aus meinem Urlaub kenne ich diese Verschiedenartigkeit gut, aber sie zu Fuß zu erleben, ist etwas ganz anderes. Im Hostel hatte ich keine Ruhe mehr. Wie gewohnt, wurde ich mit dem Morgengrauen munter. Kalter Wind empfing mich vor der Tür des Hostels. Damit war meine Tagesplanung geplatzt, denn bei 8 Grad ist ein Badetag am Toten Meer kein Vergnügen und einen weiteren Tag im Hostel wollte ich nicht mehr verschwenden. Offene Füße hin oder her. Also packte ich meine Zehen in dicke Pflasterlagen ein, schnürte meinen Rucksack und wartete auf den Bus, der mich die 5 Kilometer, für 2,5 Schekel, wieder auf den Israel National Trail bringen sollte. Schnell waren die 11 Kilometer bis nach Tel Arad geschafft. Jeder einzelne Kilometer  beeindruckte durch einen fast unglaublichen Wechsel der Landschaft. Rechts die Wüste, links eine Landschaft wie bei mir im Vorharz. Der höchste Punkt lag heute bei 850 Metern. Sturmböen empfingen mich am Kibbuz Amasa und dort habe ich eben ein Bett im Hikker-Zimmer bezogen. Hier spielt es auch keine Rolle, ob die 6 Betten mit 7 Hikkern leicht überbelegt sind, es gibt eine schöne warme Dusche. Stellt euch vor, welch eine Freude, ich habe unterwegs Inbar auf halber Strecke eingeholt. ER ist früher wieder los als geplant und ICH bin auch wieder eher los. Tja, und somit brachte uns unsere jeweilige Tagesplanänderung zufällig wieder zusammen. Nun  ist noch die Fusspflege angesagt. Doch vorher einen kleinen, aber sehr wichtigen Tipp: nehmt unbedingt ein paar Sandalen oder Latschen mit. Es ist eine Wohltat, nach der Wanderung aus den Schuhen herauszukommen. Außerdem hätte mir Oropax einige schlaflose Nächte erspart. Gute Nacht, allen Meterologen. Schickt bitte ein wenig Wärme. Es ist saukalt hier oben.

25. Tag Shabbat

Gott erschuf die Welt in 6 Tagen, am 7. Tag war Shabbat. Er ruhte und seinem Willen entsprechend, sollen es ihm die Menschen gleich tun. Ich wollte mich dem widersetzen und auf dem Shvil meine Kilometer schrubben, doch da habe ich wohl die Rechnung OHNE ihn gemacht. Er funkte mir heute tatsächlich dazwischen, hat meine Füße einfach lahmgelegt. Ich komme nicht mit den Verbänden in die Schuhe hinein. Aber das wird. Nur WANN? Ich beuge mich heute einfach seinem Willen, während all die anderen Hostelgäste sich vorhin auf ihre Weiterreise begaben. Innerhalb einer Stunde wurde es im Haus totenstill und ich blieb allein zurück. So legte ich heute, (und werde es auch morgen tun) in einer eher depressiven Stimmung, die notwendige Zwangspause ein. Zum Glück hatten die Moslems ihren Ruhtag bereits am Freitag, so dass ich hoffentlich, mit Wohlwollen ALLER Götter, meine Reise übermorgen fortsetzen kann. Denn ICH will nur unbedingt eins: weiter, weiter, weiter… Gute Nacht, den Göttern über und bei uns.

24. Tag, neue Schuhe und offene Blasen

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Einige von euch haben mich gefragt, was denn aus meinem Schuhproblem geworden sei. Nun, ich habe sie bis Arad gequält, und sie haben es mir mit offenen Blasen heimgezahlt. Schöner Mist! Der Freude über den Abschluss der Wüstenetappen weicht so langsam der Ernüchterung. Ohne vernünftige neue Schuhe werden aus den Blasen bald blutiges Wellfleisch. Seit gestern behandle ich sie mit Salben und Verbänden. In Arad kam ich mir vorhin übrigens wie ein unverbesserlicher Alkoholiker vor, der alle Geschäfte nach purem Alkohol abklapperte. Ich brauche den unbedingt für meinen Kocher. Die hilfsbereiten Verkäufer boten mir alle erdenklichen Wodkasorten an, und weiß Gott, das sind in dem, von russischen Einwanderern geprägten Arad, nicht gerade wenige, aber Spiritus, den man eher vermeidet zu trinken, hatte nicht ein einziger Laden für mich. So habe ich gerade eben bei dem Chef des Hostels meinen kleinen Ultra-Light-Kocher gegen einen gemeinen Gaskocher getauscht. Das Wichtigste erledigte ich in der Stadt natürlich auch noch: Den Kauf MEINER neuen Wanderschuhe! Die wollte ich eigentlich bis zur Schlafenszeit einlaufen, aber, verflucht, das geht immer nur stundenweise. Meine kaputten Füße schreien in der Zeit vor Schmerzen. Schauen wir mal, wir werden schon noch Freunde. Vorräte für die nächsten Tage kaufte ich ebenfalls reichlich ein. Der Rucksack ist wieder gut gefüllt. Gestern Abend gab es im Hostel für alle Gäste den Kidusch, verbunden mit einem fantastisches Schabbatessen. Es war ein tolles Fest, welches ich inmitten von lebensfrohen Israelis, Italienern, Russen, Peruanern, Mexikanern und Uruguayern erleben durfte. Mein Herz hatte heute eine gute Zeit, meine Füße offensichtlich eine eher verdammt schlechte. Morgen gönne ich ihnen zur Versöhnung einen weiteren Tag Pause. Gute Nacht, allen Podologen weltweit.

Die Wüstenetappen, eine Nachbetrachtung

Wie bereits gestern angekündigt, erwartet euch heute ein erstes, kurzes Fazit meiner langen Wanderung. Vorweg eines, ja, es ist möglich, die Wüste auch als ungeübter Hiker zu durchqueren. Ja, und es ist auch möglich, ohne Reservate und Wässerbringeservice durch das Land zu kommen, man muss die vielen Liter, eben wie ICH, dann halt schleppen. Trotzdem würde ich es anders machen und die Reservate nutzen. Denn zu meiner völligen Untrainiertheit kamen die starken Schmerzen im Knie dazu. Der knapp 30 kg schwere Rucksack drückte jeden Tag auf die desolaten Gelenke und das Gemüt. Real hätte ich für nur jeweils eine Etappe Wasser mitnehmen müssen. Shvilisten helfen sich dabei durchaus auch zuverlässig und problemlos gegenseitig. Haltet euch aber auf jeden Fall IMMER an folgende Regel: Nehmt bitte nie Wasser, an dem ein Zettel hängt, auf dem steht, es handle sich um Vorräte von anderen Hikern. Davon gibt es reichlich. Und noch reichlicher sind die schweren Magen-Darm-Erkrankungen infolge des Missachtens dieser Regel. Auf der Strecke bleibt während der harten Wanderung die Zeit zum Genießen der umwerfenden Schönheit einer einzigartigen Landschaft dieses Landes. Ich werde wiederkommen, mit meiner Nikon d800, dem Stativ und verschiedenen Objektiven, und ich werde Wasser an den Orten bunkern, an denen ich die Genialität der Schöpfung in Bits und Bytes verewigen möchte. Ein Wort zur Ausrüstung. Das lumia950 fungiert gleichzeitig als Handy, Kamara und GPS. So gut die Kamara auch ist, so unbrauchbar ist das Display bei direkter Sonneneinstrahlung. Der enorme Stromverbrauch des Gerätes macht es für den Outdooreinsatz nahzu unbrauchbar. Immer wieder musste ich das Gerät abstellen, um Strom zu sparen. Die Aufladung mit einem Solarpanel funktioniert bei Sonne recht gut, wohingegen das Aufladen während des Wanderns ein größeres Problem darstellt. Ich habe auf den Etappen zwei Ladekabel verschliessen. Wolken und Sturm hatten ebenfalls einen negativen Part in der Problemlösung meiner Stromsorgung. Ein Zelt würde ich um diese Jahreszeit immer wieder mitnehmen, denn statt der statistisch aufgeführten 2 Regentage hatten ich bereits 4. Über die Kälte in den Nächten und den Eiswind habe ich genug geschrieben. Der Schlafsack verrichtet seinen Dienst zu meiner Zufriedenheit. Für alle Freunde der Outdoor-Küche lautet mein bisheriges Fazit: Brennspiritus ist hier sehr schlecht zu bekommen. Eine Gaskurtusche wäre vorteilhafter oder ein Biomassekocher. In jedem Neightcamp fand ich ausreichend Holz für ein Lagerfeuer. Bitte nehmt keine Materialien aus der Wüste dafür mit. Ihr findet ausreichend alte Paletten in den Nachtlagern vor. Tja, alles in allem habe ich bisher, dank meiner guten Vorbereitung, viele, viele positive Erfahrungen machen können. Mein Herz schlägt auch weiterhin für den Shvil, für Israel sowieso. Noch bin ich aber ca 550 km von meiner Rückreise entfernt. Es liegt also noch ein ganzes Stück  des Weges vor mir. Schaff ich! Schalom und bis bald…

Der 23. Tag, Arad und damit das Ende der Wüstenetappen

vorletzertag04.jpgvorletzertag06.jpgarad01.jpgarad02.jpgarad03.jpgarad04.jpgarad05.jpgarad06.jpgarad07.jpgNun ist der erste Teil des Shvils geschafft! Im nächsten Block werde ich dazu ein Fazit schreiben. Wie ist es mir am letzten Tag ergangen? Bisher hatte ich mit dem Wetter Glück. Doch jetzt ließ mich der Regen schnell munter werden. Nicht der erste Regenschauer, aber nun plätscherte es auch tagsüber. Unangenehm. Sehr unangenehm, denn der kalte, straffe Wind verschärfte diese Gefühl noch mehr. Die Verlockung war groß, sich an den Straßenrand zu stellen und einfach per Anhalter nach Arad zufahren. Die Richtung dafür stimmte schon einmal. An einer Bohrungsstelle konnte ich meinen Müll legal entsorgen und wurde dort sofort von Arbeitern in dem Baucontainern zu einer Tasse heißen Tee eingeladen und dort mit ihnen gemeinsam abzuwarten, bis es wieder trocken wurde. Na klar, SO lässt sich ein Morgen auch verbringen, auf einer „Bohrinsel“, auf der in ca 450 Metern nach Wasser gesucht wird. Wirklich trocken wurde ich nicht, aber für einen neuen Energieschub sorgte der Tee auf jeden Fall. Nach einer Stunde brach ich schließlich zu meinen letzen 23 km auf, mit guter Laune, aber wenig Wasser im Gepäck. Meine Hoffnung war groß, dass die Heiligen im Lande richtig liegen würden und sowohl die Arbeiter von eben, als auch ich, bald Wasser finden würden. Der Weg nach Arad war im wahrsten Sinne des Wortes extrem steinig. Die meiste Zeit ging es bergauf durch ein Nahal (trockenes Flussbett). Wäre Wasser drin gewesen, ich schwöre, ich wäre den Rest geschwommen. Was natürlich dämlich ist, denn wer schwimmt schon bergauf. Langsam begann sich die Landschaft zu verändern. Die Wüste, bisher vorwiegenden braun und ocker gefärbt, erhielt immer mehr grüne Nuancen. Von einem Anstieg aus konnte ich bereits 9 km vor dem Tagesziel, Arad sehen und nur noch wenige Kilometer weiter keuchtete das Tote Meer. WOW! Das haute mich wirklich um. Ich blieb einfach sitzen, genoss diesen Augenblick und heulte. Geschafft!!!!! Nur noch ein letztes kleineres Nahal stand zwischen mir und Arad. Dieser Weg war jedoch dann die reinste Enttäuschung, überall lagen Müll, leere Flaschen und sogar ausgebrannte Autos in der eigentlich traumhaften Landschaft herum. Eine Schande für den Shvil! Nach zwei Stunden erreichte ich die Stadt. Ihr ahnt es schon- meine Belohnung waren ein dickes Eis und eine kalte Cola. Aber es gab auch wieder einen Abschied, denn Inbar, der noch am Abend für einige Tage nach Aschdot zu seiner Freundin fuhr, ist fort. Er wird den Weg später weiter laufen. Schön war die Zeit mit ihm und vielleicht trifft man sich irgendwo noch einmal wieder. Die Erde ist rund, man kann sich auf ihr nicht hinter irgendwelchen Ecken verstecken. Ist doch so. Ich suchte in der Dunkelheit mein Hostel „Dead Sea“. 22 Euro mit Frühstück und WELAN frei. Ein toller Preis. Der Betreiber, selbst ein Shvilist, weihte mich bis weit nach Mitternacht in die Geheimnisse um die Zubereitung des Humus ein. Herrlich! Das Ende der Wüstenetappen fand seinen Höhepunkt also im Beginn meiner zukünftigen israelischen Kochkunst. Gute Nacht heute allen Arbeitern, die nach dem wertvollsten auf der Welt suchen: dem WASSER!

22. Tag Endlich in der Wüste Judäa

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Wehmut? Vielleicht heute noch nicht. Aber ganz bestimmt, wenn er übermorgen endgültig vorbei ist- dieser strapaziöse Marsch durch die Wüste. Der Negev ist Geschichte. Ein recht langweiliger Tag, 17 km entlang eines aufgewühlten Weges für Allradfahrzeuge, liegt hinter uns. Trotzdem ist es ein unwirkliches Gefühl, dabei irgendwann den Übergang vom Negev nach Judäa vollzogen zu haben. Da es keine großen Höhenunterschiede zu überwinden gab, kamen wir vorhin ziemlich früh im NC an. Wie gestern zwingen uns die Kälte und der starke Wind schnellstens in den Schlafsack. Gute Nacht, Wüste Negev. Du warst gut zu mir. Danke, vielen Dank.

21. Tag Kälte in der Wüste

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Ich friere. Die Nächte in der Wüste sind bekanntlich immer kühl, aber heute wird es auch tagsüber nicht wirklich warm. Der Wind bläst unablässig regelrecht eisig auf die Brust. Die Nächte entwickeln sich zunehmend zu einem Problem. Mein angenommen ruhiger Zeltplatz wurde natüüüürlich wieder gegen 19 Uhr von 5 Schüler-Reisegruppen bevölkert. Innerhalb kürzester Zeit befand sich mein kleines Zelt inmitten eines riesigen Pulkes von Zelten. Inbar nutzte allerdings äußerst clever die günstige Gelegenheit, uns ein paar Chips zum Abendbrot zu organisieren. Pünktlich gegen Mitternacht sangen die 13-jährigen Mädchen im Nachbarzelt die israelische Nationalhymne. Ich mag diese Hymne. Sie ist einfühlsam und trotzdem kraftvoll. Aber bitte, bitte nicht um 0.00 Uhr nach einem Tagesritt auf dem Shvil. Danach trat dann tatsächlich Ruhe ein. Um kurz vor 5.00 Uhr zwang uns die Kälte sofort zum Feuer anmachen und schnellen Kaffeekochen. Und DAS geht in der Wüste so: in meinem Kessel wird 1 Liter Wasser aufgekocht. Danach schütte ich eine stolze Portion Kaffeepulver, mit Karadom versetzt, in das brodelnde Wasser. Nun kommt das Gebräu wieder auf die Flamme, bis es wie ein Vulkan sprudelt. Jetzt ist es Zeit, den Topf leicht auf den Boden zu stoßen. Das ganze Prozedere wird dreimal wiederholt. Nach 5 Minuten des Ziehens ergibt die braune Brühe einen echten israelischen Kaffee. Diese Zeremonie dauert über eine Stunde. Um 8.00 Uhr gingen wir noch schnell zur Militär-Basis, um Wasser nachzufüllen. Tja, und dann wurde es Zeit für den Abmarsch. Leider etwas zu spät. Die vielen Kinder waren früher dran. Sie belagerten einen Teil unserer Route und hielten uns lange auf. Wir könnten unser persönliches Tempo kaum erreichen. Für den Abstieg von 400 m auf -35 m brauchten wir ewig. Aber immer schön dabei Lächeln! Eine lohnende Weisheit, überall auf der Welt. Uns brachte die Freundlichkeit ein dick belegtes Sandwich eines bewaffneten Sicherheitsposten ein. Nachdem wir dann von – 35 m wieder auf 500 m aufgestiegen waren, erreichten wir endlich mit dem Einbruch der Dunkelheit das NC der heutigen Nacht und noch immer ist es bitterkalt. Ich freu mich auf meinen warmen Schlafsack. Gute Nacht allen wandernden Kindern unseres Planeten.

20. Tag Ade, Bettina!

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Der erste Gruß geht heute an Bettina. Nun ist sie tatsächlich in Tel Aviv, sitzt in einer schicken Bar und feiert das Leben. Neid? Hm, vielleicht, wenn ich an den Tag heute denke, der wieder einmal Alles von mir abverlangte. Die Nacht konnte ich beim besten Willen nicht schlafen. Die Fabrik, die Autos, der Krach…, es war eine einzige Katastrophe. Eigentlich möchte man da nur weg, aber der Körper sagt: Stopp! Also wartete ich den Sonnenaufgang ab, packte meine Sachen zusammen und wanderte bei bei trübem Wetter und eiskalten Sturmböen auf der Brust die Reste des Karbolet hoch und natürlich auch wieder runter, kraxelte durch eine Eisenbahnunterführung und traf später Inbar wieder, der mich freundlich zu einer Haferflockensuppe mit Zucker und Ahornsirup einlud. Danach gingen wir noch ein weinig schwimmen und genossen das rauschende Schilf. Unglaublich. Auch das ist der Negev, kaum 30 Meter von der Autobahn 40 entfernt. Irre! Gute Nacht, Bettina und pass gut auf dich auf!

19. Tag geschafft, kaputt, müde

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Liebe Freude, heute gibt es den Tag einmal in Schlagworten: 4.00 Uhr aufstehen, Feuer anmachen, Tee kochen, Sachen zusammenpacken, um 4.00 Uhr Bettina und Inbar wecken, Abmarsch 5.00 Uhr. So konnte ich mir wenigstens ein paar besinnliche Minuten am Morgen sichern. Kurz nach dem Abmarsch kam die erste Ernüchterung, denn nach 3 Kilometern war der Shvil weg oder waren wir weg? Navi raus, nach 10 Minuten hatte er uns wieder. Wenn Jacob Saar schreibt, es wird eine alpine Etappe, dann konnte ich damit sehr wenig anfangen, denn ich kenne die Alpen max. aus dem Auto heraus. Wenn er damit allerdings meint, senkrechtes, kilometerweites Auf und Ab am Grat des Berges Assis“ sei alpin, dann habe ich jetzt genau davon eine lebhafte Vorstellung. Das Schlimmste an der Sache ist die Feigheit der großen Berge. Jaaaaa, immer verstecken sie sich hinter den kleineren, von denen man stets denkt, SIE wären groß, denn DIE haben sich ja schließlich auch hinter einem kleineren versteckt. So ging das ewig. Der durchweg felsige Untergrund war eine pure Belastung für alle Sehnen und Bänder. Sie jammerten und verlangten ständig nach Pausen. Aber auch für meine Schuhe war diese Etappe ein reiner Höllentripp. Ich brauche unbedingt in Arad ein Paar neue. Es geht nicht mehr. Ich bin mir sicher: Der Vater des Shvil Israel kann nur ein Schuhmacher gewesen sein und für jeden seine Nachkommen bietet allein DIESE Etappe eine 100%ige Umsatzsteigerung seines Geschäftes. Berauschend ist allerdings der Ausblick von diesem Berg. Nach fast genau 12 Stunden erreichten wir schließlich total erschöpft Oron. Inbar war von diesem Campingplatz absolut begeistert, denn es gab einen Wasserhahn und richtige Holzbänke, ganz so wie auf einer Raststätte. Da spielte es keine Rolle, dass wir direkt vor einer riesen Fabrik, (mit dem unerträglichen Krach, der von einem Vier-Schichtbetrieb logischerweise ausgeht) schlafen mussten. Das rhythmische Röhren der Laufbänder, das schrille Pfeifen der ständig rückwärts fahrenden Autos…, oh wie wünschte ich mir doch ein lustiges Schabbat- Völkchen am Lagerfeuer oder gar eine Brigade IDF Reservisten in diesem Augenblick hierher. Ein Traum. Gute Nacht allen fleißigen Arbeitern des Erdenballs.