35. Tag Ablehnung

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Nervenprobe vor Tel Aviv. Es regnet und regnet. Immer wieder. Die Sonne lässt sich nur wenige Minuten blicken und reicht nicht, um die Akkus aufzuladen, weder die meiner Handys, noch meine eigenen. Als ich morgens munter wurde, war ich reglrecht am Verzweifeln. Die dicken Regentropfen prallten unüberhörbar von meinem Überzelt ab und wurden erneut zu Rinnsalen. Bitte nicht noch einen Tag auf einem verwaisten Campingplatz, inmitten von Müll, Gedenksteinen und dunklem Gestrüpp. Die einzige Abwechslung war abends und morgens das Heulen der Wölfe. Oh, ich liebe Wölfe und ich hatte auch keine Angst vor ihnen, aber ob sie mich auch liebten, das wusste ich nicht. Ihre Nähe zeigte mir, dass ich tatsächlich sehr fern der Zivilisation festsaß. Es wurde überhaupt nicht richtig hell und wärmer. Nur 8 Grad und durchdringende Nässe. Einfach keine gute Kombination. Zum Glück klärte sich der Himmel gegen Mittag auf. Sofort packte ich alles zusammen und machte mich auf den Weg nach Gimzo. Diesmal ohne Navi, denn der Strom sollte wenigstens für ein paar Fotos und diese Zeilen reichen. Leider hatte ich gleich nach einigen Kilometern Pech. Die Autobahnunterführung war eine unpassierbare Baustelle. Ohne Navi, ohne das Shvilzeichen, versuchte ich mich offtrail irgendwie zurück zum Trail zu schlagen. Nach 4 km gelang es mir, eine Unterführung zu finden, die mich zurück auf den richtigen Weg brachte. Doch die Freude hielt nicht lange an. Wegzeichen und roter Wegführer meinten eindeutig verschiedene Richtungen. Ich hielt mich intuitiv an Jakob Saar und lag natürlich…Hurra, falsch! So ein Mist. Der Weg führte mich direkt in eines nagelneues Gewerbegebiet. Verdammt, ich drehte mich im Kreis. Eine Anhöhe später kniff ich meine müden Augen zusammen.  Ganz weit hinten- endlich, TEL AVIV! Zwar noch viele Kilometer entfernt, aber allein der Anblick der hohen Häuser brachte mir neue Energie. Endlich in Gimzo angekommen, war mein Zelt schnell aufgebaut und alles für das Abendbrot vorbereitet. Plötzlich jedoch standen mehrere Männer vor meinem Zelt. Sie standen einfach da und starrten mich an. Mit Händen und Füßen versuchte ich, mich zu erklären. Als sie hörten, dass ich den Trail lief und in Eilat gestartet war, lud mich einer der jungen Israeli zu sich nach Hause, zum Abendbrot und zu einer Dusche ein. Lust hatte ich eigentlich keine, aber die Aussicht auf eine Dusche war letztendlich zu verlockend. Nach ca. 10 Minuten erreichten wir sein neu gebautes Haus, das hochmodern eingerichtet war. WOW, ich staunte nicht schlecht. Seine Frau und seine Tochter empfingen uns bereits am Hauseingang. Ihre Gesichter sprachen Bände und nach einer lautstarken Diskussion auf hebräisch war von einer Dusche und einem Essen plötzlich keine Rede mehr. Schließlich verschwand der Hausherr, um nach einer halben Minute mit einer Packung Kekse wieder an der Tür zu erscheinen, hielt sie mir vor die Nase, und verschwand. Ich schwöre, es haben nur noch der Tritt in meinen Hintern oder das Anspucken gefehlt. Noch nie habe ich mich so entsetzlich, eben wie ein aussetziger, geprügelter Hund gefühlt. Verstanden habe ich diese Aktion ÜBERHAUPT NICHT. Bis heute nicht und noch immer fühle ich mich in Gedanken an dieses Erlebnis tief gedemütigt. Ich bin ein offener und höflicher Mensch, aber DAS hat mich echt kalt erwischt. Peinlich berührt, doch mit einem herzlichen Dankeschön nahm ich die Kekse an und verkroch mich wieder in die Dunkelheit der Wildnis. Ein schreckliches Erlebnis, ernüchternd???? Klar, ich habe vielleicht gestunken und meine Klamotten waren sichtbar verdreckt, kein Wunder, bei 7 Tagen ohne eine Dusche, aber in all den vielen Jahren meiner Reisen nach Isreael und insbesondere auf dieser Wanderung habe ich mich niemals so abgelehnt gefühlt. Gute Nacht, der Scham und der Ablehnung. Ihr seid nicht willkommen!

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