49. Tag Regen, Gewitter

Die letzten Kilometer bis in den Dan zeihen sich wie Kaugummi hin. Ich habe das Gefühl, ich komme nicht vorwärts. Dabei bin ich offensichtlich heute eine ganz schöne Strecke gelaufen. Zumindest haben sich meine Füße vorwärts bewegt, mein Kopf scheint dagegen weiterhin erstarrt und eingefroren zu sein. Alles ist aus dem Gleichgewicht geraten. Nichts in mir stimmt mehr, ich bewege mich rückwärts. Und doch bin ich früh los. Gerade als ich zum Aufbruch alles verpackt hatte, öffnete der Himmel natürlich wieder seine Pforten. Innerhalb von fünf Minuten war ich völlig durchnässt. Das Quietschen meiner eigentlich wasserdichten Schuhe nervte zwar mit der Zeit tierisch, war andererseits auch eine Art beruhigendes Unterhaltungsprogramm, um von dem Rinnsal, welches mir nach und nach den Rücken hinunterfloss, abzulenken. An sich war der Weg recht einfach, nur die großen Felsbrocken, die waren so glitschig, dass ich mehrfach unsanft auf dem Hosenboden landete. Doch Pausen durfte ich keine machen, ich fing sofort an zu frieren. Veränderungen im Landschaftsbild hat es bestimmt auch heute gegeben. Man möge mir verzeihen, dass ich sie nicht wahrgenommen habe und beschreiben kann. Mein Blick hing vom ersten bis zum letzten Meter am Erdboden fest. Bilder kann ich leider auch keine vorweisen. Der Akku ist leer. Sollte ich je wieder hier auf Tour gehen, nehme ich für den Norden definitiv Wasserstoffzellen mit. Jetzt ist es dunkel. Wo ich genau bin, weiß ich nicht. Aber die Richtung stimmt. Der Ort Dan kommt näher, wenn auch zäh und völlig motivationslos.

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