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Tag 1 NACH dem Shvil

Heute war ein Tag, den ich gefühlsmäßig nicht richtig einordnen kann. Der Shvil beherrschte zuerst in jeder Minute meine Gedanken. Fast wäre ich wieder zu ihm gewandert, nur um endlich erfassen zu können, dass es vorbei ist, dass ich diese Schinderei nicht mehr jeden Morgen ertragen muss und stolz sein darf. Aber ich verbot es mir und stürzte mich stattdessen in das sprudelnde Leben der Großstadt. Gewohnheitsmäßig wurde ich um 5:00 Uhr wach, auch wenn in TEL Aviv die Zeit nicht aus dem Rhythmus der Natur abzulesen ist. Auf dem Trail war es immer ganz klar, wenn die Vögel ihr Morgenkonzert anstimmten, ging in ca. eineinhalb Stunden die Sonne auf. Hier, rund um das Hostel gilt max. der Lärm der Baustellen als Indikator für das unaufhörliche Ticken der Uhr und damit für das Angehen meines Tagesplanes. Ich hatte einen unumstrittenen Höhepunkt meiner Reise auf der Agenda, den Besuch im „museum of art“. Meine Freunde haben dort, wie vereinbart und gestern im Blog angekündigt, bereits auf mich gewartet. Pablos Picasso hing noch an der selben Stelle wie vor drei Jahren, als ich mit viel zu wenig Zeit im Nacken, schon einmal vor ihm stand. Das einzige Bild von Piet Mondrian hatte auch seinen Stammplatz behalten. Bei dem Werk von Vincent van Gogh schossen mir die Tränen in die Augen. Ich fühle mich ihm, seit ich ihn und seine Kunst das erste Mal in der Schule kennengelernt hatte, absolut nah, irgendwie seelenverwandt. Marc Chagall schien mir heute noch ein wenig mehr, als damals schon, beim Malen völlig zugedröhnt gewesen zu sein. Als ich das Museum wieder verließ, war es schon früher Nachmittag. Das Thema „Zeit“ hatte an Bedeutung verloren. Nach unserem ‚Treffen‘ ging ich in aller Ruhe noch einmal zum Strand. Schnell brach die Dunkelheit herein, die Menschen verloren ihre Hektik und unterhielten sich entspannt auf den Bänken am Rande des Mittelmeerufers. Bei mir dagegen setzte sich die Spirale einer tiefen Unruhe in Gang. Leute, ich habe tierische Angst vor morgen. Da geht es mit dem Flieger zurück ins wahre Leben. Wie ich das packen soll, ist mir gegenwärtig völlig schleierhaft. Ich könnte ja das Flugzeug ohne mich starten lassen. Es wäre nicht das Erste. Gute Nacht, allen, in unserem Herzen niemals verstorbenen und vergessenen Künstlern, ihr lebt in euren Bildern einfach immer weiter.

51. Tag Kibbuz Dan

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Tja, als ich im Dezember vor dem Kibbuz Dan stand und mir die Karte des Trails mit großen Augen ansah, war ich voller Optimismus und Vorfreude. Zweifel, dass ich es vielleicht nicht schaffen würde, ließ ich einfach nicht zu. Das Projekt war ZU WICHTIG für mich. Ich MUSSTE es unbedingt hinbekommen. Dem Leben beweisen, dass es mich nicht einfach so vergessen oder gar abschreiben durfte. Ich musste es MIR beweisen. Und DAS habe ich. ES IST VOLLBRACHT! Ich bin im Ziel. Aber ich vermisse diese, noch im Dezember SO erhoffte Euphorie. Erleichterung spüre ich, Zufriedenheit vielleicht auch, aber mir fehlen momentan die Kraft und die Fähigkeit, Luftsprünge über das Erreichte zu machen. 17 km waren es dann heute noch, die ich alleine durch die Wälder des Nordens gewandert bin. Dann stand ich vor dem schweren, gelben Eisentor, dem Eingang des Kibbuzes. Nur einen kurzen Augenblick blieb ich jedoch dort, gerade lange genug, um die fast leeren Akkus meines Handys mit dem GPS und Fotoapparat, das LUMIA 950 (Hände weg von diesem Teil) anzuflehen, mir wenigstens ein „Finales“ Foto zu ermöglichen. Die Sonne hatte sich so viele Tage vor mir versteckt. Heute lächelte sie mir zum Abschied tatsächlich ab und zu ins Gesicht und bot mir sogar einen grandiosen Blick auf den schneebedeckten Hermon. Nun sitze ich nach einer dreistündigen  Busfahrt in der Ruhezone des Abrahm Hostels und tippe euch, meinen lieben Lesern und Freunde diese Zeilen. Ich werde nachher tatsächlich in ein sauberes Bett fallen und morgen früh, um 10 Uhr, treffe ich mich mit Marc, Piet, Pablo und meinem Leidensgenossen Vincent, im Museum auf Art in Tel Aviv, MEINEM Lieblingsort in dieser Stadt. Gute Nacht, an alle Menschen, die heute ein großes oder kleines Ziel erreicht haben. Das habt ihr gut gemacht!

50. Tag Bei den Kranichen

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Ich bin bei den Kranichen, den Vögeln des Glücks. Aber seht euch nur den Himmel an. Da schwiegen selbst diese wundervollen Tiere und versteckten ihre Köpfe unter dem nassen Gefieder. Es herrschte eine Ruhe über den Feldern, die ich in all meinen Urlauben dort noch nie erlebt habe. Ich wollte mich von der tristen Situaton aber nicht noch trauriger stimmen lassen, und wanderte deshalb weiter zur größten Seilbahn von der ich je hörte. Die wollte ich heute endlich einmal testen. Gute Idee, schlechtes Timing. Der Regen seit Tagen hat nicht nur mich fast um den Verstand gebracht, er hat auch den Betrieb der Bahn einstellen lassen. Es war so bezeichnend. Wie sollte es auch anders sein. Dem Schnee auf dem höchsten Berg Israels konnte ich allerdings schon riechen. So nah war ich ihm auch ohne Seilbahn. Mit dicken, schweren Klumpen voller Schlamm an den Schuhen, marschierte ich also weiter. Nächstes Ziel und damit auch mein heutiges Etappenziel- der Geologische Park. Hier steht nun mein Zelt. Nichts von meiner Ausrüstung ist noch trocken. Selbst der Schlafsack ist feucht. Aber brauch ich ihn morgen noch einmal? Ich weiss es nicht. Wirklich nicht. Gute Nacht, den Kranichen, nicht weit weg von mir. Ich höre euch zwar nicht, aber schenkt mir doch bitte ein kleinwenig Glück.

49. Tag Regen, Gewitter

Die letzten Kilometer bis in den Dan zeihen sich wie Kaugummi hin. Ich habe das Gefühl, ich komme nicht vorwärts. Dabei bin ich offensichtlich heute eine ganz schöne Strecke gelaufen. Zumindest haben sich meine Füße vorwärts bewegt, mein Kopf scheint dagegen weiterhin erstarrt und eingefroren zu sein. Alles ist aus dem Gleichgewicht geraten. Nichts in mir stimmt mehr, ich bewege mich rückwärts. Und doch bin ich früh los. Gerade als ich zum Aufbruch alles verpackt hatte, öffnete der Himmel natürlich wieder seine Pforten. Innerhalb von fünf Minuten war ich völlig durchnässt. Das Quietschen meiner eigentlich wasserdichten Schuhe nervte zwar mit der Zeit tierisch, war andererseits auch eine Art beruhigendes Unterhaltungsprogramm, um von dem Rinnsal, welches mir nach und nach den Rücken hinunterfloss, abzulenken. An sich war der Weg recht einfach, nur die großen Felsbrocken, die waren so glitschig, dass ich mehrfach unsanft auf dem Hosenboden landete. Doch Pausen durfte ich keine machen, ich fing sofort an zu frieren. Veränderungen im Landschaftsbild hat es bestimmt auch heute gegeben. Man möge mir verzeihen, dass ich sie nicht wahrgenommen habe und beschreiben kann. Mein Blick hing vom ersten bis zum letzten Meter am Erdboden fest. Bilder kann ich leider auch keine vorweisen. Der Akku ist leer. Sollte ich je wieder hier auf Tour gehen, nehme ich für den Norden definitiv Wasserstoffzellen mit. Jetzt ist es dunkel. Wo ich genau bin, weiß ich nicht. Aber die Richtung stimmt. Der Ort Dan kommt näher, wenn auch zäh und völlig motivationslos.

48. Tag Der höchste Punkt ist erreicht

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Heute meinte es die Sonne noch eimal richtig gut mit mir. Allerdings brauchte mein erschöpfter Akku trotzdem ewig, um auf Touren zu kommen. Der Weg war den ganzen Tag über vergleichbar mit Wanderwegen des Harzes oder Schwarzwalds. Dichte Baumbestände, die nicht gerade viel Licht auf mein Panel durchließen, zwangen mich erneut zum Stromsparen. Aber einige Fotos konnte ich dennoch hochladen. Lief ich gestern noch bei -200 Metern die Tour, so erreichte ich heute den höchsten Punkt meiner Reise, den Mt. Meron, mit 1200 Metern. Wie ich mich auf dem Gipfel fühlte? Stolz und glücklich sollte man meinen. Aber dafür reichte es wohl heute nach den Tagen in der Dunkelheit noch nicht. Zufriedenheit und Erleichterung konnte ich jedoch tief in meinem Herzen spüren. Der Shvil vorhin war reichlich bevölkert. Emsige und sehr belehrende Lehrer und Lehrerinnen ließen ihre Schützlinge kaum die Möglichkeit, während kurzer Pausen zu Atem zu kommen. Aber, wie die wissbegierige und clevere Jugend nun einmal überall auf der Welt scheinbar ist, nutzten die Kinder jede Chance, sich dann eben ihre eigenen Auszeiten zu schaffen. Tja, und diese Chance entdeckten sie offensichtlich in meiner Person. Immer wieder musste ich, umringt von einer Traube israelischer Jungen und Mädchen, Rede und Antwort über meine lange Reise stehen. Ihre Augen sprühten regelrecht vor Neugier, aber ich kam so natürlich nicht wirklich voran. Hätten ihre Lehrer am Ende kein Einsehen mit mir gehabt, mein Tagesziel wäre in weite Ferne gerückt. Mit einem überschwänglichen Shalom wurde ich wieder in meine Freiheit entlassen. Diese Begegnung war trotz des Zeitverlustes eine meiner schönsten auf dem Trail. Übrigens, meine Knie machten mir während des Wanderns heute so gut wie keine Probleme. Für mich war das Tapen einfach die letzte Rettung. Eine geniale Angelegenheit und ich kann der netten Physiotherapeutin von gestern nicht genug danken. Auch wenn es noch etwas früh ist, mein Gute Nacht Gruß gilt heute allen Physiotherapeuten und Lehrern der Erde.

47. Tag Tiberias und goldene Hände

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Ich habe es einfach gestern psychisch nicht geschafft, den Blog zu schreiben. Dass jetzt doch diese Zeilen zu lesen sind, verdanke ich dem unendlich großen Zuspruch vieler Leser und Freunde, wieder aufzustehen und wenigstens zehn Schtitte zu laufen. Es wurden am Morgen, im Nieselregen, drei. Dann saß ich erneut auf dem Boden. Aber immerhin hockte ich schon mal und lag nicht mehr. Eine gute Stunde verharrte ich völlig fertig in dieser Position. Dann hatte ich genug Kraft geschöpft, um die nächsten Schritte zu versuchen. Und so kämpfte ich mich bis zum späten Abend ganz langsam zurück ins Leben. Mit der Dunkelheit in meinen Gedanken verschwanden allerdings nicht die grauen Wolken am Himmel. Die wenigen Sonnenminuten entschärften mein Stromproblem natürlich nicht. Den ganzen Tag über hielt sich das diesige und schwüle Wetter. Tiberias ist nicht unbedingt meine Lieblingsstadt in Israel, aber ich habe sie auch in all meinen Urlauben noch nie im Sonnenschein erleben dürfen. Vielleicht hätte ich der Stadt im Norden ansonsten eine größere Chance eingeräumt, mein Herz zu erobern. So lag mein einziges Interesse an ihr im Auffinden eines brauchbaren Geldautomaten, um mir mit dessen Hilfe das Busgeld für meine Rückreise nach Tel Aviv zu sichern. Mein endgültiges Ziel gestern war allerdings in die unmittelbare Nähe von Safed zu kommen, um eine günstige Ausgangsposition für den morgendlichen Aufstieg auf den höchsten Berg des Shvils, den Mt. Meron, zu erlangen. Ich weiß, dass ich in den schlimmen Phasen meiner Krankheit im Gesicht uralt und extrem verändert aussehe, ein erstes Lächeln konnte mir die Tatsache kurz vor dem Einschlafen um den verkrampften Mund herum zaubern, völlig unerwartet schmerzfrei in das Zelt krabbeln zu können. Wie das? Im Neightcamp traf ich eine deutsche Physiotherapeutin, die sich berufsbedingt auf das Tapen spezialisiert hatte. Sie war sofort bereit, sich meine Füße und Knie anzusehen. Wortlos machte sie sich an die Arbeit und ich stelle mir seit diesem Zeitpunkt nur eine Frage: Konnte ich dieses wunderbare Wesen mit ihren Fähigkeiten nicht 5 Wochen eher kennengelernt haben? Nur wenige Minuten nach dem Tapen erlebte meine Knie nahezu schmerzenfrei und konnte auch die Nacht über auf Schmerzmittel verzichten. Danke, du liebe Seele mit den goldenen Händen.

46. Tag Am Jordan

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Ein grauer Tag geht zu Ende. Regen und Wolken waren heute einmal mehr wieder meine Wegbegleiter, weshalb eigentlich wunderschöne, biblisch einzigartige Orte Israels, wie die Taufstätte am Jordan, auf den Fotos trist und nüchtern erscheinen. Mein Tagesziel war laut Plan recht einfach zu erwandern, aber leider wurde ich von der Roten Shvilbibel erneut getäuscht. Shabbat suche ich mir, wenn möglich, einen kommerziellen Campingplatz aus, da auf ihnen Wasser und Strom gesichert sind. Jacob Saar weist einen solchen in Deganiya aus. Doch leider ist er seit längerer Zeit nicht mehr in Betrieb. Also musste ich zur nächsten Tankstelle, denn meine Taschenlampe, mein Feuerzeug und mein Powerpack und meine „Kamphausen-Akkus“ hatten seit gestern Nacht gänzlich den Geist aufgegeben. Groß war die Überraschung, als völlig unerwartet vor der Tankstelle ein Einkaufszentrum erschien. Reger Geschäftsbetrieb zeugte, wie immer am Shabbattag, von der peniblen Vorbereitung des Festessens der Familien am Abend. In einem Outdoorladen besorgte ich mir das Allernötigste und ab ging es wieder, zurück an den Jordan. Der SO lebenswichtige und heilige Fluss für das ganze Land beginnt sich bereits hier durch den industriellen Entzug seines Wassers zu verkleinern, von seiner gnadenlosen Verschmutzung gar nicht erst zu reden. Trotzdem bin ich gerade eben anderthalb Stunden stromauf- und stromabwärts geschwommen, um vielleicht auf diesem Wege für die letzten Kilometer meiner Wanderung wieder positive Gedanken fassen zu können. Für ein Gute Nacht ist es heute noch zu früh. Einen kleinen Nachsatz muss ich jetzt, kurz vor dem Abend noch bringen. Für mich total unverständlich und entgegen der jüdischen Regeln, haben hier trotz Shabbat noch alle Geschäfte auf. Der Zeltplatz wird mit lauter Musik und schreienden Menschen regelrecht überflutet. Sie haben Zelte mit und werden somit auch heute wieder die Nacht zum Tag machen. Ich bin am Ende, es ist und wird weiterhin unerträglich sein. Meine Nerven sind am Boden. Ich kann einfach nicht mehr.

45. Tag Mt. Tabor

Wie unschwer zu erkennen ist, fehlen heute dank des miesen Wetters erneut Fotos. Meine Stimmung ist am Tiefpunkt. Ich quälte mich nach einer grübelnden Nacht und dem mühevollen Aufstehen durch den Tag. Und der hatte es dann auch noch in sich. Die größte physische Belastungsprobe der heutigen Wanderung bot die Ersteigung des Mt. Tabor gleich am frühen Morgen. Jeder Schritt entzog mir dabei Lebensenergie, doch am Ende des steilen Aufstieges brachte mir der Anblick einer kleinen, wunderschönen Kirche etwas Beruhigendes in mein angeschlagenes Gemüt. Ich hätte diesen unerwarteten Standpunkt eines Gotteshauses gern fotoristisch festgehalten, aber mein Powerpack ist komplett leer. Um wenigstens meinen Augen noch etwas Gutes zu tun, ging ich weiter bis zum Eilot-Aussichtspunkt. Dort blieb ich aber nicht lange. Bei etwa Null Metern ü.d. Meeresspiegel legte ich völlig elanlos, mit Beginn der Dunkelheit mein Nachtlager an. Gute Nacht der Verzweiflung.

Warum ohne fremde Hilfe auf dem Shvil?

In der Facebook Gruppe über den INT oder auch in persönlichen Anfragen wurde immer wieder das Problem der Trail Angels aufgeworfen. Eine Erklärung blieb ich den meisten Lesern bisher schuldig. Das ändere ich jetzt erst einmal. „Warum nur, um alles in der Welt, nimmst du diese Helfer nicht in Anspruch?“  EINE Antwort liegt wohl in meinem Naturell und meiner Krankheit begründet, den Trail alleine schaffen zu wollen/zu müssen. Der Hauptgrund ist jedoch viel banaler, aber dafür nicht weniger von Bedeutung. Von Haus aus bin ich ein Mensch der Zahlen und Algorithmen. Sprachen allerdings sind mir ein Buch mit Sieben Siegeln. Zahlen und Formeln sind meine Welt, nicht die Buchstaben und ihre fremdklingende Aussprache eines anderen Landes. Des Weiteren bin ich ein Kind der DDR, ich habe zwar einige Jahre lang englisch gepaukt, aber es seit über 30 Jahren nie wirklich angewandt. Das schaffte hier sicherlich unnötige Hemmungen und ein Gefühl von Scham, wenn kommunikationsfreudige Einheimische mit mir über ihr Leben plaudern wollten und ich wie ein Frosch aus dem Schlammloch heraus ziemlich ratlos in die Welt hinaus glotzte. Mein Fazit ist also folgendes: Meine englischen Sprachkenntnisse sind hervorragend,  soweit sie sich auf den Sprachumfang von C, C++ oder C# beschränken. Alles was jedoch darüber hinaus geht, wird für mich überall auf dem Erdenball zu einem richtigen Problem. Somit war es mir von Anfang an klar, dass ich mich mit einem Trail Angel höchstens über Objekt orientierte Programmierung unterhalten könnte, nicht aber über die wesentlichen und wichtigsten Angelegenheiten, die meine Wanderung betreffen. Also stand für mich immer fest, dass ich alleine bleiben möchte, kurzweilige Ausnahmen natürlich ausgenommen. Ich bin gut damit klargekommen, aber ich verneige mich vor jedem Sprachgenie, der sein Talent auf einer ähnlichen Reise ausspielen kann. Dass es anderen nicht besser geht als mir, durfte ich heute in Nazareth erleben. In einem Caffee versuchte eine deutsche Landsmännin sich einen Kuchen zu bestellen, im gebrochenen Deutsch-Englisch. Nur hatte sie dabei ein weiteres Handicap, sie sächselte in in höchster Vollendung und DAS verstand nun wirklich niemand mehr.

44. Tag -Immanuel- von Gott gegeben

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Die Dunkelheit legt sich schon am frühen Abend innerhalb weniger Minuten, wie mit einem schwarzen Tuch überzogen, über das Land. So sitze ich auch jetzt bereits, mit der Stirnlampe auf dem Kopf, vor dem Zelt und bin fleißig am Beantworten verschiedenster Fragen meiner Leser. Aber jetzt ist Blog-Zeit. Obwohl meine Etappe heute mit 8 Kilometern durchaus zu den kürzesten gehört, bin ich wieder früh auf den Beinen gewesen. Schuld daran waren nicht nur ein nicht enden wollendes Rasselgeräusch vor meinem Zelt, das  sich als ein Nest rot gepunkteter Käfer herausstellte und die mit ihren schwarzen Beinchen meine Schuhe in Massen bevölkerten, sondern auch die ersten Strahlen der aufgehenden Sonne. Halleluja, mein Akku klatschte vor Freude in seine Kontakte. Die Strecke war schnell geschafft. An der Bushaltestelle brauchte ich nicht lange zu warten. Kurz vor 10:00 Uhr schlürfte ich meinen ersten arabisch- israelischen Kaffee in einem kleinen Straßenbistro Nazareths. In der Stadt weilte ich bereits während meines allersten Urlaubes in diesem Land. Überschwänglich positive Erinnerungen daran habe ich eigentlich nicht. Es war damals eiskalt, fast menschenleer und sehr bedrückend. Kein Wunder, es herrschte Krieg. Heute dagegen pulsierte in der Altstadt regelrecht das Leben. Vorrangig deutsche und italienische Pilgergruppen überfüllten regelrecht die schmalen Gassen und die kleinen Geschäfte. Welch ein Unterschied. Angeführt von selig lächelnden Priestern mit weißem Krägen oder auch einem streng dreinblickendem Franziskaner wurden die frommen Reisegruppen an die religiösen Sehenswürdigkeiten herangeführt. Ich besuchte die umwerfende katholigische Kirche. Sie trägt den Namen meines Sohnes. „Immanuel, der von Gott Gegebene“ und weckte so kurz vor dem Ziel meiner Reise eine große Sehnsucht nach meiner Familie. Den Tag habe ich mit einer dringend notwendigen Grundreinigung beendet. Morgen werde ich mich bis zum See Genezareth, einem weiteren historisch interessanten Ort der biblischen Geschichte durchschlagen. Aber jetzt werde ich doch langsam müde. Den Rest der Anfragen verschiebe ich auf morgen. Gute Nacht, der letzte Gruß geht heute an meinen Sohn.