27. Tag, alles grün

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Seitdem ich aus dem Negev verschwunden bin, läuft alles anders. Morgens geht es ohne Hektik statt um 5.00 Uhr erst gegen 9.00 Uhr los, natürlich nach reichlich Kaffee und einem kleinen Frühstück. Mein neuer Kocher hat seine Bewährungsprobe bestanden. Die 23 Kilometer liefen sich einfach nur so vor sich hin, sie wurden fast unwichtig, denn es ist, als wäre ich in einem Land, in dem Honig und Milch fließen. Endlich hatte ich auch Zeit, die ausgedehnten Pinien- und Eukalyptuswälder zu genießen. Alles, was hier wächst, wurde vom israelischen Nationalfond aufgeforstet. Wie tristlos das Land früher einmal war, zeigte ein Blick über den Grenzzaun in die Westbank, trostlose Steppe. Nach einem Umweg von 3 km bis zum nächsten Supermarkt, ihr wisst, Eis und Malzbier sind immer wichtig, erreichte ich inmitten der Pinien mein NC, sogar mit einem Wasserhahn, welch ein Luxus. Mein Kocher produzierte schnell Kuskus mit Tomatensauce und Thunfisch. Lecker! Und jetzt, alleine und hoffentlich ohne Wölfe, Wildschweine und Hyänen, hoffe ich auf eine ruhige Nacht-im Grünen.

7. Tag, Wanderpause und Bandagen

Frisch bandagiertest Knie
Frisch bandagiertes Knie
Der Speisesaal im Kibbuz
Der Speisesaal im Kibbuz

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Einen Kibbuz wollte ich schon immer einmal nicht aus der Sicht eines Urlaubers, sondern als ganz normal integriertes Mitglied der Gemeinschaft erleben. Wollte in jede Ecke kriechen. Die Mystik, die über dem Kibbuz schwebt, spüren, auch wenn es nur für einen Tag lang sein sollte. Und WAS habe ich von alledem gesehen? Leider kaum etwas, nicht einmal an der Oberfläche durfte ich kratzen. Mein Knie hat mich in der Nacht wahnsinnig gequält. Heute Morgen war es gefährlich angeschwollen. Das MUSSTE ich einem Arzt zeigen. Mit einer Kuhkutsche wurde ich von einem netten „Ureinwohner“ zum nächsten Kibbuz gefahren. Ich sage euch, DAS war vielleicht ein Erlebnis. Entschuldigung, aber ich habe noch nie eine Kuh SO viel „kacken“ gesehen. Wir stanken patriotisch gemeinsam mit dem Rindvieh um die Wette. Der alte Doktor hat erst einmal bedenklich auf mein Knie geguckt, dann, oh, Schreck, 3x ordentlich darauf gespuckt, eine wahnsinnig brennende Salbe draufgeschmiert und zum Schluss eine feste Bandage geschnürt. Mit einem kräftigen Schlag auf meine Schulter katapultierte er mich aus einer Art Waschraum, seiner Praxis. Zurück mit der Kuh und ab zur Arbeit. Datteln sollten es ja eigentlich sein. Aber irgendwie muss ich wohl eher der Majorantyp sein. Bis zum Feierabend habe ich unzählige Pflanzen von dem Kraut geerntet. Halten wir für den heutigen Tag das Wesentliche fest: gestunken wie ein Kuhfladen, bespuckt wie ein Aussätziger, bandagiert wie eine Mumie, aber am Abend nun wesentlich schmerzfreier. Der WEG ist halt das Ziel! Übrigens hat jeder Kibbuz seine Eigenheit, meistens bereits seit der Gründung vor ca. 100 Jahren. Unser Kibbuz hier ist ein Schweigekibbuz. Jede Mahlzeit, jede Pause wird schweigend vollzogen. Das muss man erst einmal hinbekommen. Schweigen ist ja nun nicht gerade das Novum in unserer hektischen und stressbegleiteten Zivilisation. Aber es tat uns ganz gut. Eine überlegenswerte Möglichkeit, ein wenig über sich selbst einfach einmal nachzudenken. Ob ich das allerdings ein paar Monate durchhalten würde…? Tja, die Antwort bleibe ich mir schuldig. Denn morgen geht es wieder auf den Shvil zurück. Mit 15 Litern Wasser auf den Schultern werden wir uns, direkt an einer Landstraße entlang, in Richtung Zofar aufmachen. Erst nach zweieinhalb Tagen bekommen wir im Barak Canyan wieder unsere kostbare Flüssigkeit. Jetzt liege ich aber recht entspannt in der Jurte auf meiner Pritsche und gehe schweigend in eine Diskussion mit meinem Knie. Durchhalten, hörste! Psst, schön leise. Gute Nacht allen Rindviechern dieses Planeten.

Eilat- Startpunkt des Shvil

Mein Flug ist aufgerufen
Mein Flug ist aufgerufen
Ankunft in Tel Aviv
Ankunft in Tel Aviv
Müde aber glücklich in Eilat
Müde, aber glücklich in Eilat

Eilat

Endlich da! Was für eine Anreise! Die Angst, aufgrund einer stundenlangen Verspätung in Berlin, meinen Anschlussflieger von Tel Aviv nach Eilat zu verpassen, sitzt mir noch immer in den Knochen. Gleich am Anfang meines Vorhabens in Tel Aviv gestrandet, das wäre was geworden. Aber der Pilot hat dank eines kräftigen Rückenwindes genügend Zeit hereingeholt und so bin ich nun tatsächlich hier. In Eilat, für mich der Ausgangspunkt meiner Wanderung auf dem Israel National Trail, für viele andere Hiker, die diesen Weg im Herbst laufen wollen, das ersehnte Ziel. Mit Eilat verbinde ich viele gute Erfahrungen. Unvergessen der erste Besuch vor 7 Jahren, im unglaublich kalten Winter, als ich, vom verschneiten Jerusalem aus, dort endlich Sonne tanken konnte, aber ganz besonders liebe ich diese Stadt am Roten Meer, weil ich hier meine große Leidenschaft für das Tauchen entdeckte und dabei eine wunderbare Freundin, meine Tauchlehrerin Shulamit, kennenlernte. Nur Wasser in Eilat? Weit gefehlt! Auch die Berge, den Red Canyon und den Timna Park habe ich von Eilat aus erkundet. Wunderschön und welch eine Überraschung, denn heute weiß ich, dass ich damit schon früher auf dem Shvil entlang lief, nur eben, ohne davon überhaupt eine Ahnung zu haben. Das Leben hält schon komische Zufälle bereit. Oder ist das mein Schicksal? Vielleicht. Ich kann das wohl erst am Ende meiner Reise beantworten. Für heute ist nach einem köstlichen Humusteller der Tag der Anreise erst einmal glücklich beendet. Ich bin zufrieden, habe mein Israel wieder, MICH hat Israel wieder. Morgen schaue ich noch einmal nach dem Schild meines Startpunktes, ob der letzte Sturm es auch ja nicht weggefegt hat. Denn darauf ist er eingezeichnet, MEIN Weg und dieser Weg ist weiss, orang und blau. Schalom Israel, ich bin da!

Vorbereitung? I’m ready for the Shvil!

Vorbereitung für den Israel National Trail | Anreise erfolgt mit MeinFernbus, ELAL und ARKIA | Für 175 Euro von Quedlinburg nach Eilat | Tauchen im Roten Meer | Ich lerne Bettina kennen

Vorbereitung auf den Shvil war gestern

Mein Rucksack steht so da, wie ich mich fühle, etwas seitenverdreht und den Kopf bis zum Rand gefüllt mit Erwartungen. Hinzu kommt das Kribbeln im Bauch und die Frage, ob ich mich nicht doch übernehme. Bange machen gilt nicht, die Vorbereitung ist abgeschlossen, alles ist bereit. Morgen früh fährt mein Bus von Quedlinburg nach Berlin (9,90 € für 2,5 Stunden Busfahrt). Toller Preis. Montag geht es endlich nach Tel Aviv, natürlich mit der EL AL (110 € für das One Way-Ticket, drei Stunden später geht der Inlandflug mit der Arkia (für 56 €) nach Eilat, in den Süden Israels. Für rund 4000 Kilometer Bus und Flug ergeben sich also rund 0,045 € pro Kilometer. Eigentlich recht preiswert für mein großes Vorhaben.

Eventuell noch am Montag Abend, aber auf jeden Fall am Dienstag werde ich mir zwei Nitrox Flaschen schnappen und Tauchen gehen. Einige Tauchgänge kann ich nämlich noch durchaus gebrauchen, will ja schließlich im Sommer meinen Divemaster machen. Von Februar bis Mai ist übrigens Schneckenzeit in Eilat angesagt. In einer Tiefe von ca. 20 bis 26 Meter, soll man diese nachtaktiven Tiere beobachten können. Muss ein beeindruckendes Erlebnis sein. Hoffentlich klappt es.

Dienstag Nachmittag  kommt dann meine Reisepartnerin Bettina an. Bin schon ganz neugierig. Wir haben uns über Facebook  in der Gruppe „Israel National Trail“ (Gruppe anzeigen) gefunden. Das war im Januar. Zweimal  haben wir im Vorfeld miteinander telefoniert, der Rest der Planung lief über WhatsUp. Am Abend werden wir über die letzten Vorbereitungen sprechen, eventuell auch noch meinen israelischen Freund David treffen. Er ist Reiseführer und Dive Instructor in Eilat. Für mein Vorhaben allerdings ist er der wichtigste Mensch, denn er wird mich im ersten Nightcamp mit Wasser und Essen versorgen, ca. 20 Liter. Den letzten Abend in der Zivilisation werden Bettina, David und ich bei einer Falafel Platte mit Humus ausklingen lassen. Tja, am nächsten Morgen ist es dann endlich wirklich soweit. Ab Mittwoch laufen Bettina und ich ca. drei Wochen gemeinsam durch die Wüste. Von Eilat bis Arad, ca. 400 Kilometer.